Institut Kirchhoff Berlin GmbH

Bestimmung von Mineralölkohlenwasserstoffen in Lebensmitteln und Verpackungen mittels online HPLC-GC-FID

 

Stand: 03.2016

Hintergrund

Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW) sind Destillationsprodukte von Erdöl oder Steinkohleteer. Sie enthalten gerade und verzweigte aliphatische und cycloaliphatische (Mineral Oil Saturated Hydrocarbons, MOSH) sowie aromatische Kohlenwasserstoffe, die in der Regel 1-5 aromatische Ringe enthalten (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons, MOAH). Daneben können auch Heterocyclen vorhanden sein. Die Palette der MKW reicht von leichtflüchtigen und gut abbaubaren Kohlenwasserstoffen bis zu schwerlöslichen, schwerflüchtigen und schwer abbaubaren hochmolekularen Verbindungen aus Schmierfetten und -ölen. Mineralöle aus Druckfarben und Recyclingkartons können in hohen Mengen in verpackte Lebensmittel migrieren. Allerdings gelangen Mineralöle in unterschiedlicher Zusammensetzung auch auf vielen anderen Wegen in Lebensmittel. Einige Beispiele sind: Die Verunreinigung mit „Batching Oil“ aus Jutesäcken (Haselnüsse, Reis, Kakaobohnen), mineralische Trennöle bei Backwaren, Paraffinöl zur Schönung von Reis und als Staubbinder, Hydrauliköle von Dosieranlagen (Lebensmittelindustrie).

Analytik

Die Untersuchung der Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW) erfolgt in Anlehnung an die demnächst erscheinende internationale DIN EN Methode (geplante Dokumentennummer: DIN EN 00275247) „Determination of mineral oil in vegetable oils and foodstuffs on basis of vegetables oils“ sowie in Anlehnung an das Kompendium des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) und des Kantonalen Labor Zürich (KLZH) zur Messung von MKW in Lebensmitteln und Verpackungsmaterialien.

Die MKW werden aus der Probe mit einem organischen Lösemittel extrahiert. Komplexe Proben, z.B. Tee, fettreiche Lebensmittel wie z.B. Schokolade oder Fette/Öle, werden vor der Messung zusätzlich mit verschiedenen Hilfstechniken  aufgereinigt (z.B.: mit aktiviertem Aluminiumoxid, Epoxidierungsschritt). Anschließend werden die MKW´s mittels online HPLC-GC/FID bestimmt. Die Normalphasen-HPLC hält dabei störende Lipide zurück und trennt die MOSH-Fraktion von der MOAH-Fraktion. Die jeweilige Fraktion (MOSH/MOAH) wird danach mittels FID detektiert. Die Quantifizierung erfolgt über den vor der Extraktion zugegebenen internen Standard.

Beispielchromatogramme eines Olivenöls und eines Erdnussöls
Beispielchromatogramme eines Olivenöls und eines Erdnussöls

Toxikologische Einstufung

Für eine gesundheitliche Bewertung fehlt derzeit eine ausreichende Charakterisierung der Zusammensetzung der Mineralölgemische. Es ist dem BfR deshalb bislang nicht möglich, eine vollständige Risikoabschätzung vorzunehmen. Unabhängig von der Risikobewertung sind diese Kontaminationen bei Lebensmitteln aber grundsätzlich unerwünscht. 

Paraffine sind eine der quantitativ bedeutsamsten Kontaminationen im menschlichen Körper, aktuelle Untersuchungen zeigen eine Akkumulation in verschiedenen Organen im Molekulargewichtsbereich von etwa n-C20 bis n-C46. Gesättigte Kohlenwasserstoffe sind nicht kanzerogen, fungieren in hohen Dosen aber möglicherweise als Tumorpromotor. Aromatische Kohlenwasserstoffe sind potentiell genotoxisch und karzinogen (Gutachten zur lebensmittelbedingten Exposition des Menschen gegenüber ‚Mineralöl-Kohlenwasserstoffe‘, Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), Juni 2012). Hinsichtlich der Mineralölgemische mit einem hohen Aromatenanteil (MOAH) sollte gemäß des BfR die Aufnahme gänzlich vermieden werden, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass in der MOAH-Fraktion krebserzeugende aromatische Verbindungen enthalten sind.

Abschätzungen zu folge werden täglich über die Nahrung zwischen 0,03 und 0,3 mg gesättigte Kohlenwasserstoffe (MOSH) je Kilogramm Körpergewicht aufgenommen, bei Kindern kann die Aufnahme auch höher sein (EFSA, 2012). Die Aufnahmemenge an aromatischen Kohlenwasserstoffen (MOAH) liegt nach Schätzungen der EFSA zwischen 0,006 und 0,06 mg je Kilogramm Körpergewicht. Für ein 10 kg schweres Kind bedeutet dies eine tägliche  Aufnahme von bis zu 3 mg MOSH und 0,6 mg MOAH.

Rechtliche Einstufung

Der temporäre ADI für Mineralöle der Klassen II und III von 0,01 mg/kg Körpergewicht wurde im Juni 2012 beim JECFA Seventy-sixth meeting zurückgezogen (Fifty-ninth report of the Joint FAO/WHO Expert Committee on Food Additives, WHO Technical Report Series 913(2002))

Seit April 2011 existiert ein vom BfR festgelegter befristeter Migrationsgrenzwert für aromatenfreie Mineralöle (also MOSH, Verwendung als Formulierungsmittel zur Papierherstellung) im Molekulargewichtsbereich von C10-C16 von 12 mg/kg. Für die Fraktion von C17-C20 wurde im November 2012, ebenfalls vom BfR, ein Migrationswert von 4 mg/kg Lebensmittel für gesättigte Kohlenwasserstoffe festgelegt (BfR Empfehlung XXXVI).

Der 3. Entwurf der 22. VO zur Änderung der Bedarfsgegenständeverordnung (Mineralölverordnung) vom 24.07.2014 sieht Höchstmengen für Lebensmittelbedarfsgegenstände aus Papier, Pappe oder Karton vor, die unter Verwendung von Altpapier hergestellt worden sind. Folgende Höchstmengen wurden vorgeschlagen:

MOSH (gesättigte Kohlenwasserstoffe): 

C16-C25 (trockene nicht fettende Lebensmittel) 24 mg/kg 

C16-C35 (übrige) 24 mg/kg

MOAH (aromatische Kohlenwasserstoffe):

C16-C25 (trockene nicht fettende Lebensmittel) 6 mg/kg 

C16-C35 (übrige) 6 mg/kg

Werden diese Werte nicht eingehalten, darf der Bedarfsgegenstand dennoch in Verkehr gebracht werden, sofern der Übergang auf das Lebensmittel 2 mg/kg MOSH und 0,5 mg/kg MOAH nicht übersteigt.

Ergebnisse

Im Institut Kirchhoff Berlin wurden mehr als 10.000 Proben diverser Lebensmittelmatrices untersucht, davon etwa 650 Proben Verpackungsmaterial.  In verpackten Lebensmitteln wurden bis zu 60 mg/kg Mineralölkohlenwasserstoffe bestimmt. In vielen Lebensmitteln konnte eine Grundbelastung mit Mineralölkohlenwasserstoffen festgestellt werden.

Die Quellen für eine Kontamination mit Mineralölkohlenwasserstoffen sind oftmals multifaktoriell (z. B. Rohstoffe, Herstellungsprozess, Transport, Verpackung). 

Die erfolgreiche Teilnahme an Ringversuchen verschiedener Matrices, Mitarbeit an Methodenringversuchen (z.B. ISO 17780, CEN/TC 275 N 1069) sowie die Durchführung von Laborvergleichsuntersuchungen sind dabei nur ein Baustein der Qualitätssicherung der Ergebnisse in unserem Hause.

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