Institut Kirchhoff Berlin GmbH

Bestimmung von 2-MCPD, 3-MCPD, Glycidol und deren Fettsäureester in Lebensmitteln mittels GC-MS

 

Stand: 05.2018

Toxikologische Einstufung

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat ihre Risikobewertung für 2-MCPD- und 3-MCPD-Fettsäureester, Glycidyl-Fettsäureester sowie freies 3- und 2-MCPD in Lebensmitteln (EFSA Journal 2016; 14(5):4426) aus dem Mai 2016 mit dem Update der Risikobewertung für 3-MCPD im Januar 2018 aktualisiert (EFSA Journal 2018; 16(1):5083). Auf Grundlage des aktuellen Verfahrens der EFSA für das „benchmark modeling“ und aktueller Daten zur Entwicklungs- und Reproduktionstoxizität wurde ein TDI (tolerierbare tägliche Aufnahme) für 3-MCPD und seine Fettsäureester von 2 µg/kg Körpergewicht und Tag festgelegt. Mit diesem Ergebnis der neuen Expositionsabschätzung wurde der erste, ursprünglicheTDI der EFSA bestätigt.

Fazit der neuen EFSA Studie ist, dass die Gehalte von 3-MCPD-FE und freiem 3-MCPD in Lebensmitteln für Erwachsene und Jugendliche kein Risiko darstellen. Die mittlere Exposition für diese beiden Bevölkerungsgruppen liegt zwischen 0,2 und 0,7 µg/Körpergewicht pro Tag. Vielverzehrer nehmen zwischen 0,3 und 1,3 µg/ Körpergewicht pro Tag auf. Für Säuglinge und Kinder bis 10 Jahren beträgt die ermittelte mittlere Exposition 0,5 bis 1,5 µg/kg Körpergewicht pro Tag bzw. für Vielverzehrer 1,1 bis 2,6 µg/kg Körpergewicht pro Tag. Vielverzehrer sind insbesondere Säuglinge und Kleinkinder, die mit Säuglings- und Folgenahrung gefüttert werden. Für junge Vielverzehrer kann es auf dieser Grundlage zu einer geringfügigen Überschreitung des festgelegten TDI kommen. Die EFSA stellt aber deutlich heraus, dass die ermittelte mittlere Exposition mit einer hohen Unsicherheit abgeschätzt wurde und die wahre Exposition der Bevölkerung eher höher liegt.

Die toxikologische Beurteilung von 2-MCPD und der Glycidol-Fettsäuerester durch die EFSA wurde im Januar 2018 nicht revidiert. Hier gilt der wissenschaftliche Stand vom Mai 2016. Für 2-MCPD liegen keine toxikologischen Grenzwerte vor. Die EFSA geht davon aus, dass sich der Wirkmechanismus von 2-MCPD wegen der strukturellen Unterschiede von dem bei 3-MCPD unterscheidet. So zeigt 2-MCPD im Tierversuch keine Nierentoxizität.

Hinsichtlich der Glycidyl-Fettsäureester bestätigte die EFSA, dass es sich bei der freien Verbindung Glycidol um ein genotoxisches Karzinogen handelt. Zur Charakterisierung des Risikos wird bei solchen Verbindungen von der EFSA das „Margin of Exposure (MoE)“-Konzept angewendet. Im Falle von Glycidol geht die EFSA davon aus, dass bei einer MoE von 25 000 und darüber kein gesundheitliches Risiko besteht. Auf dieser Grundlage ergibt sich für verschiedene Altersklassen, dass „jüngere Normalverzehrer“ und „Vielverzehrer“ in allen Altersklassen potentiell bedenkliche Mengen an Glycidyl-Fettsäureestern aufnehmen.

Die JECFA (Joint FAO/WHO Expert Committee on Food Additives) hat im Rahmen ihrer Sitzung am 8. – 17. November 2016 in Rom erstmalig auch die 3-MCPD-Fettsäureester und Glycidyl-Fettsäureester bewertet. Dabei hat sie, wie die EFSA in ihrer Wissenschaftlichen Stellungnahme vom Mai 2016, einen neuen Gruppen-TDI (hier: PMTDI) für die Summe aus freiem 3-MCPD und seinen Estern, ausgedrückt als freies 3-MCPD von 4,0 µg/kg Körpergewicht pro Tag, festgesetzt.  Zum neuen TDI der EFSA wurde von Seiten der JECFA bis lang öffentlich keine Stellung bezogen.

Rechtliche Einstufung

Für freies 3-MCPD in Lebensmitteln und Zusatzstoffen gibt es Höchstmengen. In der Kontaminanten-Verordnung VO (EG) Nr. 1881/2006 ist für hydrolisiertes Sojaprotein und für Sojasoße ein Grenzwert von 20 µg/kg festgelegt. Bei Glycerin als Zusatzstoff ist eine Höchstmenge für freies 3-MCPD von 0,1 mg/kg festgelegt (VO (EU) Nr. 231/2012). Für 3-MCPD-Ester, 2-MCPD und Glycidol sowie deren Ester gibt es keine gesetzlichen Regelungen, es gilt das ALARA-Prinzip („As Low As Reasonably Achievable“). 

Derzeit gibt es auf europäischer Ebene einen Verordnungsentwurf (SANTE/11727/2016) für Höchstgehalte für Glycidyl-Fettsäureester für pflanzliche Fette und Öle für den direkten Verkauf bzw. als Zutat in Lebensmitteln von 1000 µg/kg und für pflanzliche Fette und zur Herstellung von Babynahrung und Getreidebeikost für Säuglinge und Kleinkinder von 500 µg/kg. Außerdem soll ein zweistufiger Höchstgehalt für Säuglingsanfangsnahrung, Folgenahrung und Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke für Säuglinge und Kleinkinder in Pulverform von 75 µg/kg (1. Stufe; gültig voraussichtlich bis 30.06.2019; 2. Stufe gültig voraussichtlich ab 01.07.2019 von 50 µg/kg) und in flüssiger Form von 10,0 µg/kg kg (1. Stufe; gültig voraussichtlich bis 30.06.2019; 2. Stufe gültig voraussichtlich ab 01.07.2019 von 6,0 µg/kg) festgelegt werden. Die Mitgliedstaaten hatten bis Anfang Dezember 2017 die Möglichkeit zum Verordnungsentwurf Stellung zu beziehen. Eine Veröffentlichung im Frühjahr 2018 wird erwartet.

Die Verordnung soll nach Veröffentlichung im Amtsblatt der europäischen Union 20 Tage später in Kraft treten und dann sofort gültig sein.

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